Paradoxe Natur …

Seit dem Beginn meiner „Birder-Karriere“ war es für mich ein Traum diese Art zu sehen! Letztes Jahr habe ich einen schlicht-gefärbten Jungvogel in weiter Ferne gesehen, nicht ganz das, worauf ich mich bei dieser Art gefreut hatte.

Nun habe ich während einer längeren Autofahrt die Chance gehabt, einen kleinen Abstecher zu einem rastenden Trupp bestehend aus vier adulten Vögeln zu machen. Nördlich von Bremen waren sie vor drei Tagen entdeckt worden und hielten sich sehr stationär ebendort auf.

Wer diesen wunderschönen Vogel in Deutschland sehen möchte, sollte am Schandfleck unserer Natur mit der Suche beginnen. Denn jedes Frühjahr und jeden Herbst ziehen einige Mornellregenpfeifer in ihre arktischen Brutgebiete und rasten in Deutschland vorwiegend auf brachen Äckern. Einen solch brachen Acker muss man in Deutschland nicht lange suchen. Vor allem in Niedersachen ist die Landschaft durch Maisanbau gebrandmarkt. Die intensive Landwirtschaft bietet nur für wenige Tiere einen Lebensraum, beim Rest brechen die Bestände ein. So etwa beim Kiebitz, der Feldlerche oder dem Rebhuhn. Auch Insekten finden sich in der monokulturellen Landschaft unter dem Einsatz von Spritzmitteln nicht zurecht und mehr und mehr sterben. Das bedroht seit einiger Zeit ein riesiges Ökosystem und unsere heimische Natur. Um so paradoxer, dass einer der schönsten eurasischen Vögel sich genau diesen Lebensraum aussucht. Er verleiht der kahlen, toten Einöde, die wir Natur nennen, ihren Glanz.

Besonders macht den Mornellregenpfeifer auch folgendes: Der Willkür der Natur ist zu verdanken, dass dieser Vogel gleichermaßen durch seine Schönheit, als auch seine Unbekümmertheit besticht! Welch ein Geschenk, schön und zahm zugleich…  Eine alte skandinavische Sage erzählt von einem Mornellregenpfeifer, der sein Ei in die Hand eines Menschen legt. So weit ist es gestern nicht gekommen, aber immerhin wagten sie sich immer wieder an den Rand des Ackers, wo ich mit meiner Kamera auf sie wartete. So konnte ich mir einen Traum erfüllen, den ich träume, seitdem ich meine erste Kamera in der Hand hielt: Ein schönes Monrellregenpfeifer-Bild zu schaffen. Es wird sicherlich den Weg an meine Zimmerwand finden!

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